Geschichte

„Keiner kann glücklich genannt werden, der nicht an öffentlichen Angelegenheiten teilnimmt, niemand ist frei, der nicht aus Erfahrung weiß, was öffentliche Freiheit ist, und niemand ist frei oder glücklich, der keine Macht hat, nämlich keinen Anteil an öffentlicher Macht.“ (Hannah Arendt)

Das Fach Geschichte trägt in besonderer Weise Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen zu freien und glücklichen Mitgliedern der Gesellschaft. Ziel des gebildeten Menschen muss sein, aus dem Vergangenen zu lernen, die Gegenwart zu gestalten und Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Dabei muss unsere (vergleichsweise junge) Demokratie stets aufs Neue weiterentwickelt und verteidigt werden, von aktiven und wissenden Bürgern. Den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit (global change, Folgen der Entkolonialisierung, Ende der Nationalstaaten, „asymmetrische Konflikte“, Einigung Europas etc.) wird eine moderne und engagierte Jugend entgegentreten, dafür versuchen wir zu sorgen.

In den Jahrgangsstufen 6 bis 10 erhalten die Schülerinnen und Schüler einen an der Chronologie historischen Geschehens orientierten Überblick über die Epochen und Räume der Weltgeschichte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erarbeitung von Grundlinien deutscher und europäischer Geschichte, ab der Frühen Neuzeit aber auch zunehmend weltpolitischer Dimensionen. Die Anschaulichkeit ist in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 ein wichtiger Ausgangspunkt für den Geschichtsunterricht, dabei werden die historischen Fakten von Anfang an stets in größere Zusammenhänge eingebettet.

Die 6. Jahrgangsstufe: Die Schülerinnen und Schüler beobachten die Entwicklung früher Kulturen in der Auseinandersetzung mit ihrer natürlichen Umwelt. Die archaischen Aspekte des steinzeitlichen Lebens sind für die Kinder besonders griffig und spannend. Die neolithische Revolution wird dabei als elementarer Schritt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen begriffen. Bei der Beschäftigung mit Griechenland und dem Römischen Reich begegnen unsere Schülerinnen und Schüler Fragestellungen und Phänomenen, die auch in späteren Epochen immer wieder von Bedeutung sind. Den Übergang von der Antike zum Mittelalter erkennen sie schließlich als eigenständigen Zeitraum, der gleichermaßen von Kontinuität und Wandel geprägt ist.

Neolithische Pfeilspitzen aus der Sahara
Abdruck eines syrischen Rollsiegels, ca. 2. Jt. v. Chr.

Jahrgangsstufe 7: Die Jugendlichen lernen hier die Grundzüge der alteuropäischen Gesellschaft im Mittelalter und in der frühen Neuzeit kennen und erfahren von Begegnungen der Europäer mit fremden Zivilisationen. Als besonders lebendig werden frühe Handelsnetze (Wikinger, Hanse, Ostindienfahrer) empfunden. Die Europäisierung der Erde wird ihnen in diesem Rahmen als eine Vorstufe der modernen Globalisierung vermittelt. Renaissance, Humanismus, Reformation und Konfessionskriege begreifen sie als eine Phase, in der im Innern das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft thematisiert, nach außen die europäische Staatenwelt neu geordnet wird. Am Beispiel des Absolutismus und der konstitutionellen Monarchie lernen sie wichtige Veränderungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft während der frühen Neuzeit kennen.

Spätmittelalterliches Schloss Kastelbell im Vinschgau

In der 8. Jahrgangsstufe setzen sich die Jugendlichen dann mit dem Übergang von der alteuropäischen zur industriellen Gesellschaft auseinander. Sie lernen Ansätze zur Ausbildung demokratischer Strukturen sowie Hemmnisse und Rückschläge auf diesem Weg kennen. Dies erlaubt ihnen, die historischen Grundlagen freiheitlich-demokratischer Wertvorstellungen in ihrem Gegensatz zu Obrigkeitsdenken und Nationalismus zu erfassen, ein wichtiger Schritt zur Bildung eines staatsbürgerlichen Grundverständnisses.

Das völlig zerstörte Dorf Fleury bei Verdun


9. Jahrgangsstufe: Ausgehend von der Beschäftigung mit der Weimarer Demokratie und der existenziellen Gefährdung demokratischer Ordnungen in Europa durch das nationalsozialistische Gewaltregime sehen die Jugendlichen, wie sich als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs die Teilung der Welt zwischen den neuen Supermächten USA und UdSSR vollzieht und im beginnenden Kalten Krieg Konfrontation, aber auch globale Stabilität als „Gleichgewicht des Schreckens“ herrschen. Vor diesem Hintergrund betrachten sie die historische Entwicklung nach 1945. Die besondere Verantwortung der jungen deutschen Demokratie hinsichtlich der Themen Toleranz, Frieden und internationaler Kooperation wird in dieser Jahrgangsstufe erörtert, eine Exkursion zum Konzentrationslager Dachau hilft den Blick hierfür zu schärfen.

Der Nationalfriedhof Arlington bei Washington

In der 10. Jahrgangsstufe erkennen die Schülerinnen und Schüler, dass seit den 1960er Jahren Entwicklungen in Gang kommen, die eine neue Dynamik in die internationale Politik bringen und Auswirkungen sowohl auf die bis dahin bipolare weltpolitische Konstellation der Nachkriegszeit als auch auf die Situation in der Deutschen Frage nach sich ziehen. Die Auflösung der Blöcke 1989/90 erfassen sie als einen epochalen Vorgang für das 20. Jahrhundert. Die Schüler begreifen, wie das Ende des Ost-West-Konflikts auch die Lösung der Deutschen Frage ermöglicht und für die ehemaligen Staaten des Ostblocks die Möglichkeit eröffnet, am europäischen Integrationsprozess teilzuhaben. Zugleich erkennen sie aber auch, wie die Auflösung der bipolaren Welt zu einer Instabilität neuer Art führt.
Im Rahmen eines fachübergreifenden Projekts mit Sozialkunde verstehen die Schüler beispielhaft Zusammenhänge zwischen gegenwärtigen Herausforderungen und historisch gewachsenen Bedingungen.

Der Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 11 und 12 konzentriert sich auf der Basis eines soliden Grundwissens aus den vorangegangenen Jahren stärker auf Strukturierungskonzepte wie Längs- und Querschnitte, Vergleiche und problemorientierte Fallstudien, welche die in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten methodenorientiert und mehrperspektivisch in neuen Zusammenhängen zur Anwendung bringen und vertiefen. Das Fach Geschichte in den Jahrgangsstufen 11 und 12 erweitert die Allgemeinbildung der jungen Erwachsenen und gewährleistet eine sichere historische Orientierung. Die Wahl eines (P- oder W-) Seminars Geschichte eröffnet ihnen die Möglichkeit, sich wissenschaftsnah mit spezielleren, den Stoff des Lehrplans vertiefenden und ergänzenden Themen zu befassen.

F. Barnikel