Zeitzeugenbegegnungen

Seit vielen Jahren schafft das AWG Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, mit ZeitzeugInnen des Holocaust ins Gespräch zu kommen. Mehrfach wurden die Begegnungen in der Schule selbst organisiert, wie z.B. der Besuch von Max Mannheimer im Jahr 2014. 2018 findet die Begegnung im Rathaus der Landeshauptstadt statt, wo das Stadtarchiv am 9. November ein Forum für ZeitzeugInnen ermöglicht.

Zeitzeugengespräch

der Q11 mit Henriette Kretz am 26.10.2017, von 10.00 bis 12.00 Uhr in der Schülerbibliothek.

Henriette Kretz wurde 1934 im südöstlichen Polen geboren, ihre jüdische Familie wurde nach dem deutschen Überfall auf Polen Opfer des NS-Terrors.  mehr  (gör)

Max Mannheimer am AWG

Am 26. Juni 2014 war der 94-jährige jüdische Zeitzeuge Max Mannheimer am Adolf-Weber-Gymnasium zu Gast. Er berichtete von seinem bewegten Leben in der Zeit des NS-Regimes und erläuterte sehr anschaulich die politischen Hintergründe. Seine Einladung war ausdrücklich auf den Wunsch unseres Geschichtskurses hin geschehen, der sich die Frage gestellt hatte, wie man das Thema des Holocaust im Unterricht behandeln könnte.
Nach einer kurzen Begrüßung begann Mannheimer, den Schülern von seinem Leben zu berichten. Er wurde 1920 in Neutitschein in der Tschechoslowakei geboren. Mit dem Münchener Abkommen im September 1938 wurde Neutitschein an das Deutsche Reich angegliedert. Mannheimers Vater wurde während der Novemberpogrome aufgrund seines jüdischen Glaubens inhaftiert und musste nach seiner Entlassung den vom Deutschen Reich besetzten Teil des Landes verlassen. Die Familie floh nach Ungarisch Brod, das dann aber 1939 ebenfalls Teil des Deutschen Reichs wurde. Ende 1940 lernte Max Mannheimer Eva Bock kennen und heiratete sie Anfang September 1942 in der Hoffnung, so bei der drohenden Deportation zusammenbleiben zu können. 1943 wurden Mannheimer und seine Frau Eva, seine Eltern und seine Geschwister dann tatsächlich nach Theresienstadt deportiert und kurz darauf weiter nach Auschwitz. Dort wurden seine Eltern, seine Frau und seine Schwester schon bei der Ankunft durch die berüchtigten SS-Ärzte als arbeitsunfähig aussortiert und sogleich ermordet. Von diesem Moment berichtete Mannheimer den Schülern, indem er aus seiner Autobiographie Spätes Tagebuch zitierte.
Max Mannheimer und sein Bruder Edgar wurden, nachdem eine Odyssee von Verlegungen und Evakuierungstransporten sie über Warschau, Dachau und Karlsfeld nach Mühldorf geführt hatte, im April 1945 in Tutzing durch die Amerikaner befreit, sie waren die einzigen überlebenden der Familie. Obwohl er sich nach seiner Befreiung fest geschworen hatte, nie wieder deutschen Boden zu betreten, kehrte er bereits 1946 wegen seiner zweiten Frau, einer ehemaligen deutschen Widerstandskämpferin, wieder hierher zurück. Als Zeugnis all dieser Erlebnisse zeigte Mannheimer den sehr beeindruckten und ergriffenen Schülern die unauslöschliche Häftlingsnummer 99728, die ihm während seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager auf den Arm tätowiert worden ist.
Zum Schluss des Besuchs nutzten wir Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Besonders interessant war dabei Mannheimers Antwort, als jemand wissen wollte, was ihm während der langen Zeit im Konzentrationslager Kraft gegeben habe. Er erzählte, dass es sein jüngerer Bruder Edgar war, der ihm mit seiner positiven Einstellung Mut machte und für den er sich verantwortlich fühlte.
Beeindruckend war vor allem, dass Max Mannheimer trotz seiner Erlebnisse seine Freude am Leben und seinen Humor wiedergefunden hat. Trotz des traurigen Themas brachte er die Zuschauer durch seine Witze immer wieder zum Schmunzeln. Seinen Vortrag beendete Mannheimer, indem er an seine jugendlichen Zuhörer appellierte: �Ihr seid nicht dafür verantwortlich, was damals geschah. Aber dass es nicht wieder passiert, dafür schon!�
Paulina La Bont�, Q11