Mit einer großen Portion Neugier, Vorfreude auf vier spannende Tage und etwas Respekt vor dem so vieldiskutierten Thema „Asylpolitik in Deutschland“ fuhren 15 SchülerInnen der 10.Klassen des AWG gemeinsam mit ebenso vielen geflüchteten SchülerInnen unterschiedlicher Klassen der Berufsschule zur Berufsintegration ins BLSV-Haus am Spitzingsee.
Natürlich ging es zunächst einmal darum, sich gegenseitig kennenzulernen, die Lebenswelten der anderen zu erkunden und gemeinsam Spaß zu haben. Dass aber spätestens ab dem zweiten Tag in intensivem Austausch, in Gruppenarbeiten und Plenumsdiskussionen das Thema „Asyl“ bis in die Abendstunden so intensiv durchgearbeitet wurde – von diesem Eifer waren selbst die LehrerInnen überrascht. Das gemeinsame Ziel war es, ein Planspiel zu entwickeln, bei dem andere Schülergruppen den Ablauf des Asylverfahrens aus der Perspektive eines geflüchteten Menschen nachempfinden können – selbstverständlich mit vertauschten Rollen. So wird man beispielsweise zu Beginn von einem freundlichen, aber bestimmten Uniformierten an der Registrierung nach den persönlichen Daten befragt, muss ein Formular ausfüllen, seinen Fingerabdruck abgeben und wird anschließend zur ärztlichen Untersuchung geschickt – das alles jedoch auf Dari, Chinesisch oder Arabisch. Schnell wird da klar, welche weiteren Erfahrungen auf die Spieler warten, wenn sie einen Platz in der Unterkunft und Kleidung suchen, zum Arzt müssen oder in die Disko gehen möchten.
Bei der Arbeit an den einzelnen Stationen waren folglich die geflüchteten SchülerInnen die Experten für Ablauf und Inhalt, die AWGlerInnen konnten mit Sprachkenntnissen und ihrer Erfahrung in projektorientiertem Arbeiten ihren Teil zum Gelingen beitragen.
Dank des großen Eifers aller Teilnehmer steht nun ein fertiges Programm und wartet darauf, von einer Gruppe interessierter SchülerInnen und auch LehrerInnen durchlaufen zu werden – wir hoffen auf einen baldigen Termin.
Schon jetzt lässt sich aber sagen, dass die gemeinsame Zeit am Spitzingsee ein voller Erfolg war: Die AWGlerInnen konnten einen umfassenden Einblick in die Lebensrealität Gleichaltriger bekommen, die sich in so vielen Belangen von ihrer eigenen unterscheidet. Sie konnten ihr Wissen über das Asylverfahren und vieler damit verbundenen Strukturen in Deutschland vertiefen und durch die gemeinsame Zeit mehr über unsere Welt lernen, als ihnen wohl wir Lehrer oft vermitteln können.
Den SchülerInnen der Balanstraße war es ein Anliegen, deutschen SchülerInnen ihre Situation und ihre Hoffnungen hier zu schildern und ernsthaft interessierten Gesprächspartnern gegenüber zu sitzen. Sie konnten ihre Deutschkenntnisse verbessern und wurden durch ihre Erfahrungen und ihr Wissen über das Asylverfahren als Experten – und nicht als unfertige, noch zu integrierende Menschen – wahrgenommen.
Wir bedanken uns ausdrücklich bei den Schulleitungen für das entgegengebrachte Vertrauen und die umfangreiche Unterstützung. Ein besonderer Dank geht an die Abteilung für politische Bildung des Pädagogischen Instituts, ohne deren finanzielle Unterstützung das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre.
Interessierte finden hier weitere Informationen zur Berufsschule zur Berufsintegration: https://berufsintegration.musin.de/

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T. Verbeck