Ausführung



Nachdem die Stationen aufgebaut und letzte Vorkehrungen getroffen waren, konnte zunächst eine Gruppe aus knapp 20 Schülerinnen und Schülern der Q11 des AWG in die Rolle der Geflüchteten schlüpfen und sich auf den Weg in die „Republik Amal“ [arab. Hoffnung] machen, um einen Asylantrag zu stellen. Dabei mussten sie immer wieder Fremdheitserfahrungen machen und sich verschiedensten Herausforderungen stellen: Da sie weder Hinweisschilder und Formulare (in arabischer Sprache) lesen, noch Anweisungen und Fragen (alles, nur nicht deutsch) verstehen konnten und zudem mit unverständlichen Regeln und Gepflogenheiten (z.B. beim Ballspiel an der Station „Freizeit“) konfrontiert waren, stellten schon die einfachsten Aufgaben große Probleme dar: Wie soll man zum Arzt gehen, wenn man keine Krankenkarte hat? Wie soll man U-Bahn-Tickets bezahlen, wenn man kein Geld hat? Wie bekommt man einen Sprachkurs, wenn man im zuständigen Amt nicht verstanden wird? Und warum wird man vom Türsteher der Disco so schroff abgewiesen?

Bei vielen Teilnehmern stellte sich ein Gefühl von Verlorensein und Hilflosigkeit ein, dem sie trotz größter Bemühungen, den Anforderungen dieser Republik gerecht zu werden, nicht entfliehen konnten. In ganz gleicher Weise beschrieben die Lehrerinnen und Lehrer beider Schulen, die das Planspiel in einer zweiten Runde durchliefen, ihre Erfahrungen.

Der Kern des Asylverfahrens, die Anhörung, wurde abschließend in einem eigens entwickelten „Schauspiel“ dargestellt; hier muss die asylsuchende Person ihre Fluchtgeschichte darlegen – vom Ausgang dieses „Interviews“ hängt die Zukunft eines jeden einzelnen geflüchteten Menschen in Deutschland ab.

Wie unterschiedlich das Leben der Jugendlichen, die hier Hand in Hand zusammengearbeitet hatten, nach wie vor ist, wurde allen Teilnehmern in der Schlussrunde am Ende deutlich. Während es für die deutschen SchülerInnen eben nur ein „Spiel“ war, dessen Rollen sie nach mehreren aufreibenden Stunden verlassen konnten, sind die Erfahrungen, die hier gezeigt wurden, für viele Schülerinnen und Schüler der Balanstraße noch immer tagtägliche Lebensrealität.

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