Volkswirtschaftliche Wertschöpfung durch Kulturförderungen

 

Die Schüler der Klasse 10b, Herr Aulinger, Frau Gräfenstein (WR) und Frau Tesic (Musik) warten gespannt auf eine Kollaboration der Fächer Wirtschaft und Musik: Der Staatsintendant und Chefdramaturg des Gärtnerplatztheaters Hr. Dr. Ulrich Peters wurde erfolgreich eingeladen, um einen Vortrag über das Thema "Volkswirtschaftliche Wertschöpfung durch Kulturförderung" zu halten.
Was hat Kultur überhaupt mit Wirtschaft zu tun? Zunächst einmal ist die Kultur ein Wirtschaftsfaktor und eine Stadt wie unser schönes München wird nicht nur für Touristen attraktiver, sondern auch als Kongress- bzw. Messestadt. Dass dies förderlich für die Wirtschaftslage einer Stadt ist, steht außer Frage. Es ist jedoch interessant, näher zu betrachten, welche Wirtschaftsbereiche hierbei wie genau unterstützt werden. Das führt uns zu folgender Frage:
Wo und wie genau kurbelt die Kultur die Wirtschaft an? Hierzu einige Zahlen: 2,4% der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands ergibt sich aus der Kultur und 2,8% der Erwerbstätigen sind im kulturellen Bereich tätig; Also schaffen die Kultureinrichtungen nicht nur Arbeitsplätze, sondern treiben auch das BIP in die Höhe und sind für das Steuersystem enorm wichtig.
Das soll es aber noch lange nicht gewesen rein: Wenn man herausfinden möchte, wie die Kultur einigen Wirtschaftsbereichen unter die Arme greift, muss man etwas genauer hinsehen. Was macht man z.B., wenn man auf die Premiere eines Stücks eingeladen wurde, oder sich einen schönen, unterhaltsamen Abend jenseits des Fernsehgeräts vorgenommen hat? Richtig, man kauft sich eine elegantes Kleid, oder einen Anzug, evtl. geht man sogar zum Friseur, oder kauft sich passend zum Kleid/Anzug ein neues Paar Abendschuhe. Bis zu diesem Punkt haben wir schon kräftig konsumiert und sind noch nicht einmal auf dem Weg zum Theater! Egal, ob wir mit dem Auto oder der MVG fahren - entweder profitiert die MVG oder eine Parkautomat. Am Theater angekommen, kauft man sich ein Programmheft, wovon dessen Druckerei ihren Profit zieht. Man ist nach dem Stück so begeistert, dass man sich gleich die CD davon kauft und um den Abend angemessen ausklingen zu lassen, geht man noch etwas Essen oder Trinken, wobei wir -zur Freude einiger Gastronomiebetriebe - nicht die einzigen sind! Man sieht an diesem Beispiel gut, welche Wirtschaftsbereiche von einem einzigen Theaterbesuch profitieren, Lund wir haben noch nicht einmal die Schauspieler, Musiker etc. erwähnt, die ihre Gage aus einem Teil unseres kleinen Ausflugs beziehen!
Der Künstler, der im Theaterstück oder der Oper mitwirkt, tut dies vielleicht nicht in seiner Heimatstadt und mietet sich ein Zimmer, wovon der Vermieter Steuern zahlt. Er muss auch Essen kaufen, wovon der Supermarkt um die Ecke profitiert. Und von seiner Gage zahlt der Künstler natürlich auch Steuern.
Dieses ganze Verfahren nennt man die Umwegrentabilität von Kunst und Kultur!
Jährlich werden etwa 19 Mio. € öffentliche Förderung an kulturelle Einrichtungen gezahlt, wovon 5.5 Mio. € an Steuern direkt zurück an den Staat fließen; Der Rückfluss aus Zusatzausgaben wie im oben ausgeführten Beispiel beträgt etwa 35 Mio. €!
In Deutschland werden im Jahr 22 Mio. Theaterkarten verkauft, was eine höhere Zahl als die der Verkauften Fußballkaten ist. Auf jede Karte werden ca. 90€ aus Steuergeldern gezahlt, so dass eine Theaterkarte für 30€ zu kaufen ist. Im Jahr werden von ca. 1 Billion € für die Kultur im Allgemeinen 8 Milliarden € ausgegeben, das ist ein winziger Prozentanteil, doch in München z.B. reicht dieser Betrag aus. Kultur muss gefördert werden, damit sie sick jeder leisten kann, da sie Bildung und Horizonterweiterung ist. Auch wenn eine Stadt hoch verschuldet ist, wäre es keine Lösung, kulturelle Einrichtungen zu schließen, da dieses Handeln das Problem nur verstärken würde, "Das wäre", wie Hr. Dr. Peters so schön sagte: "Volkswirtschaftlicher Schwachsinn!". Warum? Ich hoffe, diese Frage konnte an Hand dieses Artikels - gestützt auf den Vortrag von Hr. Dr. Peters - beantwortet werden. In der Klasse 10b blieb keine Frage offen!

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                                                                                                    Artikel aus der Schülerzeitung, Autor:Ruby Weidemann