Abschlussberichte über das Projekt "Lust auf Lyrik II" mit dem Lyrik Kabinett München

Schüler eines Leistungskurses Deutsch entdecken neue Wege zur Dichtung - dieser Unter-
titel in der Ankündigung zur Abschlussvorstellung trifft die Inhalte des Projektes genau.

In acht (über 3,5 Monate verteilten) Doppelstunden wussten die Lyriker Andrea Heuser und Axel Sanjosé als Moderatoren den 9 Schülerinnen und 7 Schülern unseres Leistungskurses Deutsch der 12. Jahrgangsstufe neue, kreativ-spielerische Wege zur deutschen und engli-schen Lyrik zu zeigen. Daneben vermittelten sie ihnen Lust am eigenen Schreiben, das wie-derum den Zugang  zu fremden Werken vertiefte.

Die Voraussetzungen waren insofern günstig, als alle Schülerinnen und Schüler wirkliches Interesse an dem Fach Deutsch haben und unvoreingenommen Interesse an dem Projekt zeigten. Viele von ihnen hatten noch keine intensive Erfahrungen mit Lyrik, sie gehörte bis dahin nicht zu der selbst gewählten Lektüre und bis auf eine Schülerin schrieb niemand selbstständig Gedichte.

Natürlich war es für mich als Kursleiterin eine neue und am Anfang vielleicht noch recht un-gewohnte Erfahrung, die Schülerinnen und Schüler loszulassen und sie "allein" mit den sehr kompetenten, aber doch schulfremden Moderatoren zu wissen. - Diese Bedingung hatten die Moderatoren gestellt, weil sie die Schüler frei von schulischen Erwägungen wissen wollten.

Bereits während des Projektverlaufs wurde ich dafür belohnt: So zeigten die Beteiligten  ein viel wacheres und intensives Interesse für Lyrik und trauten sich auch mit einem neuen Selbstbewusstsein, diese zu interpretieren. Daneben verbesserte sich die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler im Kurs. Dies wirkte sich dann auch aus auf ihr vielleicht nicht zufällig entstehendes Aufführungsprojekt einiger Faustszenen (die selbstständig in Freistun-den erarbeitet und geprobt wurden). Zudem fielen die Ergebnisse der während dieses Zeit-raums gehaltenen Lyrikklausur sehr positiv aus.

Welche weiteren Auswirkungen lassen sich noch hervorheben? Einen Abschlussabend zu planen und ihn in dem wunderschönen Rahmen des Lyrikkabinetts (Amalienstraße 83) durchzuführen war für die Schülerinnen und Schüler natürlich eine spannende Erfahrung. Für viele von ihnen war es die erste Präsentation in der Öffentlichkeit. Dabei gelangen ihnen sehr unterschiedliche uns Zuschauer faszinierende Darbietungen eigener Texte als Vortrag, szenisch gespielt, gesungen. Auch ein Film und eine Powerpoint-Präsentation wurden vorge-führt, die eine ganz individuelle Auseinandersetzung mit Eichendorffs "Mondnacht" darstell-ten. Dass damit auch andere Bereiche wie Musik, dramatisches Gestalten, Kunst und Um-gang mit Medien einbezogen wurden, versteht sich von selbst.

Wir alle danken denjenigen, die dieses Projekt ermöglichten ganz herzlich für diese Erfah-rungen, die wir so sonst nie hätten machen können: Frau Haeusgen und Frau Leuschner vom Lyrikkabinett, den Lyrikern und Moderatoren A. Heuser und A. Sanjosé und Frau Müller-Härlin von der Kontaktstelle Gymnasien der LMU, die dieses Projekt ins Leben rief.

München im Juni 06, Heike Doll

 

Deutsch - Lyrikprojekt : Lyrik einmal anders


Schon gleich zu Beginn des Schuljahres stellte Frau Doll uns im Deutsch-LK die Möglichkeit zu einem spannenden Versuch vor, dem sogenannten Lyrik-Projekt. So ganz wusste zwar vorerst niemand, was er sich darunter nun vorstellen sollte, aber an Neuheiten waren wir frisch gebackenen Kollegstufler ja ohnehin gewöhnt - und interessant klang es allemal. Somit entschieden wir uns also, das gleich nach den Herbstferien beginnende Projekt durchzuführen.
Aufgebaut war das Projekt wie folgt: Die Leitung lag nicht etwa bei Frau Doll, (die musste sogar "draußen bleiben"), sondern bei zwei Moderatoren des Lyrikkabinetts, die beide selbst schon einige Werke verfasst haben, Andrea Heuser und Axel San-José. Nachdem wir die beiden in der ersten Doppelstunde ein wenig kennen gelernt hatten und sie uns die Themen vorgestellt hatten, die sie jeweils behandeln wollten, teilten wir in zwei Gruppen auf. Lustigerweise gingen dabei bis auf je eine Ausnahme alle Mädchen zu Frau Heuser, während die Jungs sich Herrn San-José anschlossen ... Zufall?
In den folgenden Monaten hatten wir dann alle paar Wochen eine Doppelstunde des Projekts. Hier hatten wir die Möglichkeit, Lyrik einmal ganz anders als im herkömmlichen Unterricht anzugehen. So übersetzten wir etwa einmal ein kurzes englisches Gedicht ins Deutsche; die Abweichungen der verschiedenen Versionen waren dabei ebenso bemerkenswert wie aussagekräftig.  Ein andermal lasen wir gemeinsam ein Gedicht der uns zunächst unbekannten Autorin Sarah Kirsch, das den Titel "Don Juan kommt am Vormittag" trägt. Anschließend bekamen wir die Aufgabe, selbst ein Gedicht zu diesem Titelthema zu schreiben. Auch diesmal war es sehr interessant, wie sehr sich unsere Gedichte  unterschieden, wobei jedes einzelne auf seine eigene Art und Weise wirklich gelungen war, was deutlich zeigt, dass es in der Lyrik, anders als in den meisten Schulfächern, eben kein "Richtig" oder "Falsch" gibt.
Die Gruppe von Herrn San-José  indes behandelte andere Themen, so schrieb dort jeder ein Gedicht zu einem eigens ausgesuchten Schlüsselthema, wie etwa "Der Tod", "Das Nichts" - oder "Löwenbräu". Sehr lustig, wenn auch nicht unbedingt hoch poetisch, war das Resultat eines Gemeinschaftsexperiments, bei dem jeder der Gruppe eine Zeile gedichtet hatte, sodass es am Ende ein mehrstrophiges Gedicht ergab.
Ähnlich beurteilte dies auch unser Publikum, das sich an unserem Abschlussabend Ende Februar im Lyrikkabinett eingefunden hatte, wo wir die Ergebnisse unseres Projekts erstmals der Öffentlichkeit präsentierten. Unsere anfängliche diesbezügliche Besorgnis war somit auch bald verflogen und wir fühlten uns, zumindest für einen Abend, fast selbst wie richtige Lyriker.
Erfreulicherweise hat das Projekt eigentlich von allen eine gute Kritik erhalten, sowohl von den Initiatoren, als auch von den Teilnehmern - und zum Glück besonders von unserem Publikum. Für mich persönlich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, Lyrik einmal anders zu behandeln und zu erleben, einmal praktischer an sie heranzugehen. Vor allem war es für mich als gelegentliche Hobbyschriftstellerin sehr aufschlussreich, die Möglichkeit zu haben, einer Gruppe etwas, das ich selbst geschrieben habe, vorzustellen, und ihre Reaktionen darauf zu sehen. Ein Glück, dass diese so motivierend ausgefallen sind.

 

Violetta Fass, Schülerin des Leistungskurses Deutsch