Aus einer Schriftenreihe des Schulreferates der Landeshauptstadt München - Heft 16 - "Städt. Adolf-Weber-Wirtschaftsgymnasium" Alfred Wurm Fachverlag

Aus dem Jahr 1964

GESCHICHTE DER SCHULE

 

Nach fast 25-jährigem Bestehen hat das Adolf-Weber-Wirtschaftsgymnasium nun ein eigenes Schulgebäude beziehen können. Seit ihrer Gründung war sie zu Gast in fremden Häusern. Ebenso wechselvoll wie ihre Unterbringung gestaltete sich die Entwicklung der Schule.

 

Die Bestrebungen, in München eine weiterführende wirtschaftliche Schule zu schaffen, gehen in die zwanziger Jahre zurück. Nach Vorbildern in Norddeutschland, in Österreich und in der Schweiz sollten die Bildungswerte der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften auch in der höheren Schule stärker genutzt werden. Doch kam es zunächst anders. Zusammen mit der Wirtschaftsaufbauschule errichtete die Stadt München im Jahre 1934 eine "einjährige Wirtschaftsoberschule", die als Fachschule (wenn auch nicht im heutigen Sinn) bezeichnet wurde. Sie sollte Abiturienten (und Schüler mit mittlerer Reife) mit einer wirtschaftlichen Grundbildung ausrüsten und wollte - angesichts der damaligen Notlage der Akademiker verständlich nicht zur Hochschule hin-, sondern als "Abiturientenumschulungsklasse" von ihr wegführen. Nach Ablauf des Schuljahres 1934/35 wurde dieser Versuch aufgegeben.

 

Erst 1942 kam es schließlich zur Schaffung einer zunächst die Fakultätsreife vermittelnden Schule, für die sich insbesondere zwei namhafte Schulmänner eingesetzt hatten, Oberstudienrat Friedrich StadIinger von der Wirtschaftsaufbauschule und im Schulreferat Oberschulrat Dr. Hans Lohbauer. Deren unentwegtem Bemühen war es in einer Zeit, die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als Bildungsgüter nicht sonderlich schätzte, gelungen, die Angliederung eines "Wirtschaftsoberschulzweiges" an die Städt. Wirtschaftsaufbauschule durchzusetzen. Der neue Schultyp sollte auf die damals neu eingeführte "Hauptschule" aufbauen und in 4 Jahren zur Fachhochschulreife für das Studium der Wirtschaftswissenschaften führen, war also als Kurzform der damals 8-klassigen höheren Schule gedacht. Vorerst wurden begabte Schüler aus der ersten Klasse der Wirtschaftsaufbauschule aufgenommen. Am 16. April 1942 begann mit etwa 30 Schülern der Unterricht im Gebäude der Wirtschaftsaufbauschule an der Herrnstraße. OStRa t Stadlinger, inzwischen Direktor dieser Schule geworden, wurde zugleich mit der Leitung der neuen Anstalt betraut. Ein Jahr danach erfolgte die Umbenennung in "Oberwirtschaftsschule".

 

In den Mittagsstunden des 13. Juli 1944 fiel das Schulhaus einem Bombenangriff zum Opfer. Trotz eifrigster Bemühungen von Lehrern und Schülern, konnte das Haus nicht gerettet werden; auch der größte Teil der Einrichtung ging verloren. Eine Notunterkunft fand die Schule im Gebäude der Volksschule an der Wittelsbacherstraße, wo im Keller und später in notdürftig hergerichteten Räumen unterrichtet wurde. Ein Luftangriff im Dezember 1944 machte auch dort der Arbeit ein Ende. Nächste Zufluchtstätte wurde die Gewerbeschule an der Westenriederstraße. Zu einem regelmäßigen Unterricht kam es aber nicht mehr. Soweit die wenigen noch vorhandenen Lehrkräfte nicht noch selbst zur Wehrmacht oder zu Hilfsdiensten eingezogen wurden, versuchten sie zwar, so gut es ging, einen Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten, zum Teil sogar in den Unterkunftsbarakken am Stadtrand, wo die älteren Schüler als Flakhelfer Militärdienst leisten mußten. Mit Kriegsende hörte aber auch dieser Unterricht auf. Erst am 5. Dezember 1945 durfte mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung der Unterricht wieder aufgenommen werden. 93 Schüler fanden sich ein, die zunächst unter völlig unzulänglichen Verhältnissen wenigstens einen eingeschränkten Unterricht erhielten. Die Leitung hatte, nachdem OStDir. Stadlinger infolge langer Krankheit in den Ruhestand getreten war, Stud.-Prof. Dr. Hans Amesmaier übernommen. Noch 1945 erhielt die Schule einige Räume im Gebäude an der Wilhelmstraße zugewiesen, die sie mit mehreren anderen Schulen, zeitweise im 3-Schichten-Betrieb, teilen mußte.

 

Eine Entschließung des Kultusministeriums vom 21. Februar 1946 erlaubte auch Mädchen den Besuch der Schule, die inzwischen wieder den Namen "Wirtschaftsoberschule" angenommen hatte. Sie wurde damit zur ersten städt. Höheren Schule in München mit Koedukation.

 

In Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Scharnagl konnten am 29. April 1947 die ersten 14 Abiturienten entlassen werden. Die zweite Reifeprüfung fand zum Schuljahrsende im Juni des gleichen Jahres statt.

 

Eine erhebliche Erleichterung brachte 1949 der Umzug in die Räume des zweiten und dritten Stockwerks der Schule an der Schwanthalerstraße, die für 15 Jahre Heimstatt wurden.

 

Schon bald nach seinem Amtsantritt hatte der Schulleiter mit Unterstützung des Lehrerkollegiums und der Elternschaft den Ausbau der Schule zur Vollanstalt in die Wege geleitet. Mit Erlaß vom 14. Oktober 1947 genehmigte das Ministerium, daß die Schule "als grundständige achtklassige Schule geführt wird, die in ihre 1. Klasse Schüler der 4. und 5. Klasse der Volksschule aufnimmt". In der Folge ging die Entwicklung der Schule stürmisch voran. Zum Schuljahrsbeginn 1950/51 mußten 5 neue Klassen geschaffen werden, die Schülerzahl stieg von 289 im Jahre 1949/50 auf 473 im darauffolgenden Schuljahr und war bis 1958/59 auf 906 in 30 Klassen angewachsen. Überdies wurden der Schule 1952 Abendlehrgänge für Berufstätige angegliedert, aus denen 1958 das "Abendgymnasium" hervorging.

 

Erst 1961 wurde es abgetrennt und mit dem neusprachlichen Zweig zu 'einem eigenen Schulkörper vereinigt. Die steigende Raumnot zwang zu Wanderklassen, und trotz des Schichtunterrichts mußte an Samstagen in Räume der Gewerbeschule an der Luisenschule ausgewichen werden. All die mit diesen äußeren Widrigkeiten verbundenen Hindernisse konnten aber der inneren Entwicklung der Schule dank der Hingabe und Opferbereitschaft des Lehrkörpers keinen Abbruch tun. Die Lehrpläne wurden überarbeitet und den neuen Verhältnissen angepaßt. Die wirtschaftswissenschaftlichen Fachgebiete betonten stärker als vorher volkswirtschaftliche und rechtliche Stoffe; sozialkundliche Themen wurden umfassend einbezogen. In den übrigen Fächern wurde der Stoff dem des Realgymnasiums angeglichen. Den vielfältigen geistigen und musischen Interessen trugen über den Lehrplan hinaus zahlreiche Arbeitsgemeinschaften Rechnung, die allen räumlichen Beengungen zum Trotz nach und nach eingerichtet werden konnten. Philosophie und Zeitgeschichte, Astronomie und Biologie, Kunstbetrachtung und Laienspiel, Schach und Film, Fotographie und Keramik machten sich freiwillige Gruppen zum Ziel ihrer Arbeit.

 

1957 verlieh das Kultusministerium der Schule, die seit 1950 die Bezeichnung "Wirtschaftsoberrealschule" führte, die Berechtigung, die volle Hochschulreife zu erteilen.

 

Nach dem Tode von Dr. Amesmaier im Herbst 1957 übernahm sein Stellvertreter Dr. Hans Stetter die Leitung der Schule. Neben seinen vielseitigen pädagogischen Interessen, die u.a. in der erfolgreichen Ausgestaltung der Schülermitverwaltung ihren Niederschlag fanden, nahm er sich mit Energie und Ausdauer der Frage des inzwischen immer dringender gewordenen Schulhausneubaues an.

 

Unermüdlich unterstützten ihn dabei Lehrerschaft und Elternbeirat, vor allem dessen jetziger Vorsitzender, Herr Ernst Hamberger.

 

Als Dr. Stetter 1961 in den Ruhestand trat, waren die Baupläne für den Schulhausneubau bereits ausgearbeitet. Seinem Nachfolger OStDir. Helmuth Motschenbacher fiel die Mühe und Sorge zu, die aus der Mitarbeit bei der Erstellung eines Großobjektes erwächst, nachdem im Oktober 1962 der erste Spatenstich getan war. Noch vor dem Einzug in das neue Haus verlieh der Stadtrat der Schule 1963 den Namen "AdoIf-Weber-Wirtschaftsoberrealschule" (Wirtschaftsgymnasium), ein Name, der allen Angehörigen der Schule Ehre und Verpflichtung sein wird.